Am Wegesrand zwischen Bäumen kaum wahrnehmbar steht etwas. Als ich vorbeikomme trabt es mit Getöse ins Unterholz. Leider habe ich sie nur Sekunden gesehen, aber es waren wohl meine ersten Elche auf dieser Reise. Eigentlich, so denke ich, lassen die sich doch von nichts beeindrucken. Aber es müssen Elche gewesen sein, denn die beiden waren groß, größer als Pferde. Daß die sich vor dem Liegerad erschrecken macht mir ein wenig Sorgen, denn ein erschrecktes Tier ist schwer einzuschätzen – und so ein Elch ist verdammt groß. Bei einer Konfrontation weiß ich wer gewinnt. Ich bin es nicht. Also aufpassen.
Hotdogs sind keine nachhaltige Nahrung und so setzt nach 50-60km wieder Hunger ein – es ist eh höchste Zeit was zu essen. Da nichts in Sicht ist, beschließe ich am nächsten Rastplatz den Kocher auszupacken. Am Inlandsvägen (26, E45) gibt es in kurzen Abständen Parkplätze – in Deutschland würde man „Nothaltebucht“ sagen und Unmengen von Toilettenpapier am Rand zeugen davon, wofür diese Plätze in der Regel benutzt werden. Und dann gibt es in etwas größeren Abständen Rastplätze. Dort gibt es mehr Platz, meist etwas mehr Abstand zur Straße.
Irgendwann kommt wieder eine Tankstelle und es gibt: Hotdog. Naja, und Wasser. Und so weit ist es ja jetzt auch nicht mehr. 50km noch bis Mora und das ist ja schon gleich bei Orsa. Ja, ich komme mir ein wenig dämlich vor dabei und das darf mir weiter im Norden nicht mehr passieren.
Auf der Straße kommt mir der erste Reiseradler in freier Widlbahn entgegen. Es ist Finn. Finn ist aus Dänemark und kommt vom Nordkapp zurück. Trotz Verständigungsschwierigkeiten verstehe ich, daß er via Oslo nach Alta geflogen ist, am Nordkap war und jetzt seit 15 Tagen unterwegs ist. In zwei Tagen will er zurück in Dänemark sein, da hat er noch etwas vor sich. Er fährt auf einem Carbonrad mit Ortliebrolle und Rucksack und erzählt, daß ihm oben bei Jokkmokk die hintere Felge gebrochen sein. Deshalb hat er jetzt eine Ersatzfelge, weniger Gänge und vor allem hinten keine Bremse mehr, denn seine Bremsscheibe ist bei der Aktion auch kaputt gegangen. Und Finn erzählt, er habe ein deutsches Ehepaar auf einem Tandem getroffen. Ich erzähle ihm, das Tandem sei gelb und habe einen Anhänger – er ist verblüfft.
Mora erreiche ich bei etwa 150km. 20km bis Orsa zu Christoph werden noch folgen und wegen der nicht ausreichenden Ernährung heute bin ich ziemlich fertig. Zwei Mars, eine Cola, ein Apfelsaft und eine Banane müssen erstmal reichen, auf Hotdog habe ich keine Lust mehr. Dann geht es auf verschlungenen Pfaden durch den Ort und über einen nicht asphaltierten Radweg in Richtung Orsa. Christoph hatte mich vorgewarnt und gesagt, ich solle den Weg ab Vattnäs nehmen – aber aufgrund schwindender Konzentration war es mir so lieber als die befahrene und enge E45 zu nehmen. Mit der sprichwörtlich letzten Kraft rollte ich in Orsa auf den Hof, der Mann mit dem Hammer war aber nicht weit hinter mir.
Ich wurde herzlich empfangen – und das allergrößte: Ich bekam sogar noch eine riesige Portion Tortellini! Das war das Richtige, um mich jetzt wieder aufzubauen. Nach angeregten Gesprächen ging es dann nach dem Duschen ins Bett und ich schlief innerhalb kürzester Zeit ein.