Mittwoch, 20.04.2005 - 10:19

Die Kirche und die einfachen Leute

Gestern war es soweit. Ich will nicht gleich behaupten, die ganze Welt hätte drauf gewartet, aber irgendwie doch eine Menge Leute! Tanja hat mit der ersten Bewerbung gleich erfolgreich eine Arbeitsstelle gefunden! Und so gingen wir abends zu mehreren zum Inder und waren schneller als die Kardinäle in Rom. Noch während wir mit der Wahl von der Speisekarte beschäftigt waren, stellten wir erfreut fest: "Habemus Papadam!" und labten uns an der köstlichen Vorspeise. Nach reichhaltigen Genüssen hielten wir es teils mit alten Mönchen, aber einer hielt es eher con Kaffe. Nun, auch danach gab's bei uns keinen Papa Ratzi. Ist aber auch egal, wir sind ja alle eher weltlich orietiert und finden unser Heil dann eher, wenn sich urbi @OBI trifft (die ganze Stadt im Baumarkt), auch wenn man für einen ordentlichen Papst natürlich besser zum Computerhändler geht.

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Donnerstag, 07.04.2005 - 21:32

Aufwand, Nutzen und der Kollateralschaden

Zwei Nächte hintereinander kreiste hier, mitten über einem Wohngebiet, stundenlang ein Hubschrauber. Los ging's gegen 22 Uhr, Ende war gegen 3 Uhr in der Nacht. Ich habe - Gott sei dank - eine gut isolierte Wohnung, in der man das zwar mitkriegt, es sich aber im Rahmen hält, das Brummen nervt aber doch ganz schön.

Dieser Hubschrauber, der hier einige um den Schlaf gebracht haben dürfte, kreiste mitten in der Nacht ohne jegliche Beleuchtung über der Stadt. Nichts. Keine Positionslichter. Er war nur zwischendurch vor hellen Wolken kurz schemenhaft zu erkennen.

Lieber Bundesgrenzschutz: Ihr habt doch wohl nicht alle Tassen im Schrank! Da war kein Menschenleben in Gefahr, da ging es nichtmal um obskure Terrorwarnungen. Nichtmal ein Bankraub. Mitten in der Nacht über Stunden hinweg wurde hier großflächig mit Wärmebildkameras die Gegend überwacht, um Graffiti-Sprayer zu ertappen!

"Über den Erfolg der Aktion wollte der Bundesgrenzschutz keine Angaben machen". Zu deutsch: Hat nix gebracht.

Wäre es nicht viel leiser und vor allem billiger gewesen, wenn man neben den Lieblingsobjekten wie S-Bahnen etc. einfach ein paar Leute gut getarnt (von mir aus auch mit Wärmebildkamera oder Nachtsichtgeräten) postiert hätte?

Aber der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wurde in den letzten Jahren ja ohnehin beerdigt.

Freitag, 08.04.2005 - 09:29 - Nachtrag: "In Berlin habe ein BGS-Hubschrauber bei zwei Nachteinsätzen in dieser Woche mit einer Wärmebildkamera vier Sprayer auf frischer Tat ertappt und acht Graffiti-Aktionen verhindert" (BGS Specher gegenüber "Bild"). Gewaltiger Erfolg, wirklich.

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Sonntag, 20.03.2005 - 14:45

Die Gedanken sind frei?

Liebe Leute bei GMX: Noch immer läuft Eure Werbung mit dem Slogan Die Gedanken sind frei. Ich muß ganz ehrlich gestehen, daß dieses nervige singende Kind in dieser Werbung zwar schon fast genug wäre, reflexartig wegzuschalten, allerdings ausgerechnet zu einem Zeitpunkt diesen Slogan zu wählen, an dem die TKÜV (Telekommunikations-Überwachungsverordnung) technisch umgesetzt wird, empfinde ich als extrem unangebracht. Wir stehen an einem Punkt, wo jeder große Provider - und damit auch GMX - gezwungen ist, verschiedenen Strafverfolgungs- und Ermittlungsbehörden das beliebige Mitschneiden der E-Mail-Kommunikation eines jeden Bürgers zu ermöglichen. Diese Überwachungsmaßnahmen sind dabei derart vereinfacht und vor allem keiner sinnvollen Kontrolle unterworfen, daß von Verhältnismäßigkeit keine Rede sein kann. Was im Zusammenhang mit Gedanken in E-mails also wirklich frei ist, ist lediglich der Zugriff Dritter darauf.

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten,
sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei!


Kein Mensch braucht Gedanken in E-Mails zu erraten, sie fliegen auch nicht vorbei, wie nächtliche Schatten: Gedanken in E-Mails liegen auf dem Silbertablett.

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Donnerstag, 17.03.2005 - 11:40

CeBIT '05

Auch dieses Jahr konnte ich nicht widerstehen und habe die Gelegenheit wahrgenommen, einen Tag über die CeBIT zu laufen. Echte Neuigkeiten findet man dort seit der Erfindung des WWW natürlich nicht mehr: Über alles hat man schon gehört und gelesen. Der eigentlich interessante Punkt ist, dort konzentriert Leute treffen zu können, Fragen zu stellen - und sich über die Antworten zu wundern.

Ist die Branche erwachsener geworden im letzten Jahrzehnt? Nach einem Gang über die CeBIT neigt man zu einem eindeutigen "Nein". Älter? Ja. Größer? Ja. Lauter und bunter? Ja. Aber auch ein höherer Anteil an Schlipsen macht die Branche nicht erwachsener. Ich versuche mir gerade eine Industriemesse oder eine Nutzfahrzeugmesse vorzustellen, die überraschend von einem Publikum wie auf der CeBIT überrannt wird. OK, die Sales-Druiden mit vielen Buzzwords und wenig technischer Ahnung wird es auch dort geben - keine Frage. Aber wird neben einem hochgezüchteten Spezial-Fahrzeug, das 300 Tonnen ziehen kann und dabei nur 40 Liter Diesel auf 100 Kilometer braucht, ein Team aus Messehäschen stehen Luftmatratzen mit dem Markennamen an Kinder verteilen, die das neben aufblasbaren Sitzkissen und bunten Luftballons kaum noch tragen können? Erwachsene Menschen, die auf Tretrollern zwischen Baumaschinen hin- und herkurven? Ich weiß es nicht, aber ich kann es mir schwer vorstellen.

So ist neben dem ein oder anderen wichtigen Gespräch und all den Leuten, die man wiedertrifft doch immer wieder eines auf der CeBIT von Interesse: Ein Blick in diese irreale bunte Welt, die uns glauben machen will, daß es sich um mehr handelt, als eine Maschine. Sony bringt's mit dem AIBO auf den Punkt. AIBO wird Dein bester Freund. Kein Kommentar.

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Mittwoch, 02.03.2005 - 20:21

Fundstück der besonderen Art

Heute mal etwas völlig untechnisches: Beim Stöbern in den Pressemeldungen der Berliner Polizei, einer Lektüre, die ich aufgrund ihres immer wieder ergreifenden Schreibstils nur jedem wärmstens empfehlen kann, fand ich einen Artikel, der mir die ein herzhaftes Lächeln ins Gesicht zauberte:

Die Berliner Polizei gibt Schülern in Berlin mit Hilfe eines Teddybären - Entschuldingung, natürlich einer (Zitat) Klappmaul-Schoßpuppe ein Anti-Gewalt-Training. Und weil es natürlich nicht geht, daß einfach nur ein paar begabte Beamte ein Puppenspiel unter Einbeziehung der Kinder machen, muß das in deutscher Tradition durchorganisiert werden. Und weil Organisation nur Spaß macht, wenn man gemeinsam organisiert: "Der Verein für die Förderung des kriminalpräventiven Puppenspiels veranstaltete im Mai in Hamm das Bundessymposium deutscher Polizeipuppenspieler." Nicht genug damit, nein, wir haben in Berlin sogar noch eine Dame, die "zuständig für die Aus- und Fortbildung brandenburgischer Polizeipuppenspieler an der Fachhochschule in Basdorf/Brandenburg" ist. Und ein Uni-Professor sorgt "für den Feinschliff in Puppenführung und Dramaturgie".

Was muß unsere Generation verkorkst sein, als das Kasperle noch ohne Hilfe von Dramaturgen und Verhaltenstrainern dem Krokodil mit dem Knüppel eins über den Schädel ziehen konnte.

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Freitag, 18.02.2005 - 20:15

Am Anfang war das Wort

Manche stellen sich das Leben eines Admins sicherlich ziemlich langweilig vor. Vielleicht ist es das ja auch. Aber ab und zu findet der gemeine (in all seinen Beudeutungen) Admin doch immer mal wieder diese kleinen Höhepunkte in seinem Leben, die er glaubt, teilen zu müssen. Und genau dafür ist hier mein Platz.

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