Hier kommt die Elite
Es ist Mittag, ich stehe mit einem Minimaleinkauf beim Reichelt an der
Kasse, wir schreiben das Jahr 2008 und ich befinde mich in Berlin,
irgendwo an der Grenze zwischen Charlottenburg und Wilmersdorf, fernab
der Ghettos, weit weg vom Prekariat.
Mein Einkauf, bestehend aus zwei Artikeln, kostet 2,78 Euro. Ich zücke
einen 10-Euro-Schein und schaue, was ich noch an Kleingeld zu bieten
habe, nach kurzem Blick lege ich drei 1-Cent-Stücke zum Schein und sage,
wohlwissend, daß die Verkäuferin lieber Kleingeld nimmt als Scheine:
"Das ist die beste Annäherung, die ich bieten kann..." - ein langer
Blick der Verkäuferin, nicht die Art von Frau, von der ich mir derart
lange und musternde Blicke so wünsche. Dann schaut sie auf die Kasse.
Wieder zu mir. Die folgende Antwort offenbart, daß sie das Wort
"Annäherung" vorher niemals in mathematischem Zusammenhang gehört: "Hmm,
ja, so so, wenn Sie meinen... Ähhh...". Dann nimmt sie das Geld, tippt
den Betrag in die Kasse und ich bin mir sicher, sie hat einfach nur den
Betrag rausgegeben, den die kasse ihr mitteilte und noch immer nicht
verstanden, was die drei Cent sollten. Sie hat wahrscheinlich auch nicht
weiter drüber nachgedacht.
Gleichzeitig an der Kasse daneben ein Spektakel, dessen Anfänge ich
leider nur mit halber Aufmerksamkeit verfolgt habe. Eine Frau,
vermutlich anfang der dreißiger, gepflegte Erscheinung, Designerbrille
mit Intellektuellen-Look, asiatischer Einschlag. Waren querbeet aus dem
gesamten Supermarkt, geschätzt ca. 25 bis 30 Artikel. Dazu kamen dann
noch Tüten, alles ist durch die Kasse, liegt bereit zum Einpacken.
Offenbar gab es irgendein Problem mit der Bezahlung, welches weiß ich
nicht. Die Frau entfernt sich von der Kasse, die Verkäuferin ruft ihr
nach: "Kommen Sie wieder oder wie?" - kurzes Zögern, dann im Weggehen:
"Och.... Weiß nich..." Der leicht irritierte Blick der Kassiererin war
durchaus verständlich, gab dieser Situation allerdings auch erst die
rechte Würze.