Rundfahrt: Ostfriesland

Da die Überführung des Kreuzfahrtschiffes Celebrity Solstice auf der Ems, die ursprünglich für den heutigen Tag geplant war, um einen Tag verschoben worden war, hatten wir einen Tag gewonnen, um Ostfriesland genießen zu können.

Der Morgen war wie in den letzten Tagen neblig und so genossen wir das großzügige Frühstück, das wir morgens vorfanden, in aller Ruhe. Danach packten wir unsere Räder mit dem Allernötigtsten: Kamera, Getränke, Energieriegel und minimales Werkzeug. Der Plan sah vor, quer durch Ostfriesland an die Küste zu fahren, als Ziel hatten wir zunächst Norden-Norddeich ausgewählt.

Der kühle Nebel lichtete sich schon bald nach unsere Abfahrt und wir entledigten uns der anfänglich noch unverzichtbaren dickeren Kleidungsstücke. Erst folgten wir einigen größeren Landstraßen (jeweils mit ausgezeichnetem Radweg), bald jedoch bogen wir dann auch mal auf kleinere Wege entlang irgendwelcher Gewässer ab, die gerade genug Platz für die Räder ließen.

Als wir später auf kleineren Straßen durch die Orte fuhren freuten wir uns über die vielen freundlichen Menschen: Wo wir auch vorbeikamen schallte uns ein nettes „Moin!“ entgegen und wir antworteten brav mit „Moin, Moin!“, was dann mit wohlwollendem Nicken quittiert wurde.

Auch die Autofahrer in Ostfriesland nehmen Rücksicht auf Radfahrer, ein Zustand, den wir aus Berlin so nicht kannten. So wurde die Reise durch das sonnige grüne platte Land sehr angenehm. Selbst der Wind war uns gnädig, es wehte so gut wie keiner.

{wp-gallery-remote: gallery=0; rootalbum=43491; showalbumtitle=true; showsubalbums=true; showimagesheader=true; imagefilter=include:43492,43502,43505,43601,43730,43745;}

Je näher wir Norddeich kamen, desto größer wurde allerdings die Anzahl der Touristen. Schließlich durchquerten wir den Ortskern und fuhren weiter in Richtung Hafen – endlich das Meer sehen! Das allerdings war – wie immer, wenn ich an die Nordsee komme – gerade auf dem Rückzug. Im Hafen setzten wir uns in ein Restaurant und stärkten uns ersteinmal. Dabei beobachteten wir das Treiben ringsherum.

Anschließend zog es uns auf den Deich. Auf der seewärtigen Seite kann man ab Norddeich ein gutes Stück in Richtung Osten fahren – und gelangt schon nach kurzer Zeit zum Flughafen Norden-Norddeich, von wo in reger Folge die Inselflieger starten. Nachdem wir ein wenig zugeschaut hatten, reifte der Entschluß, daß ein Rundflug über das Wattenmeer in einer Cessna eigentlich unverzichtbar sei. Wir wurden zwar gewarnt, daß die Sicht nicht optimal sei, allerdings entschieden, daß ausreichend war. Bevor wir unseren Flug antreten konnten hatten wir noch etwas Wartezeit, die wir auf dem Deich verbrachten.

Schließlich ging es los. Wir zwängten uns in die kleine Maschine und dann ging es auch schon los!

GPS Track vom 27.09.2008 (Rundflug)

Nach der Landung waren wir noch ganz beeindruckt von der wunderschönen Natur, die wir von oben gesehen hatten. Wir schwangen uns wieder auf unsere Räder und bummelten noch etwas auf dem Deich entlang, bevor wir die Biege in Richtung Süden machten und Kurs auf Ihlow nahmen.

Wir versuchten unseren netten Pfad entlang des kleinen Gewässers wiederzufinden, aber wegen einger Wirrungen und Irrungen bezüglich der Ortsnamen und auf welchen Straßen wir wo entlang gekommen waren, gelang uns das nicht so ganz – dennoch fanden wir natürlich dank GPS den Weg zurück ohne wirklich große Umwege.

In Ihlow angekommen stellten wir die Räder ab, machten uns kurz frisch und liefen dann die 200 Meter zum örtlichen Jugoslaven, wo wir den Tag bei einer ordentlichen Mahzeit ausklingen ließen.

GPS Track vom 27.09.2008 (Fahrrad)

Anreise: Berlin – Ihlow

An diesem Freitag ging es für Manuel und mich sehr früh los: Um kurz nach sieben Uhr verließen wir Berlin mit dem Zug in Richtung Oldenburg. Weder Manuel noch ich hatten in den letzten Jahren einen Fernzug mit einem Fahrrad im Gepäck betreten und so waren wir nach dem ersten Schreck – der Zug fuhr entgegen der im Wagenstandsanzeiger angegebenen Reihenfolge ein – positiv überrascht vom Platzangebot. Dieses war zum Teil sicherlich der Tatsache geschuldet, daß es Freitag Morgen war und für die meisten die Fahrradsaison vermutlich schon vorbei.

Der Morgen war feucht und neblig, so daß wir aus dem Fenster kaum etwas sehen konnten. Doch je näher wir Oldenburg kamen, desto mehr lichtete sich der Nebel und so fingen wir an uns trotz der Müdigkeit, die wir durch Dösen und Tee bekämpften, auf die kommenden Fahrradkilometer zu freuen.

In Oldenburg war die Luft noch immer feucht, aber die Sonne war hinter den Dunstschleiern schon zu erahnen. Ich startete das GPS und gab als Ziel Ihlow ein, wo wir für die Nacht Zimmer gebucht hatten. Auf dem Weg aus der Stadt hielten wir noch kurz an einem Fahrradladen für ein paar Kleinigkeiten, dann ging es hinaus auf die Landstraße.

Die kühle feuchte Luft wich langsam der wohligen Wärme der Sonne und wir genossen die Vorzüge Ostfrieslands: Eine sehr gute Infrastruktur für Fahrräder. Perfekt geteerte Radwege an nahezu jeder Straße luden ein, zügig zu fahren. Da Manuel allerdings ausgerechnet das langsamste Rad aus seiner Flotte für die Tour gewählt hatte mußte ich mit dem Liegerad immer etwas aufpassen, daß ich ihn nicht abhänge.

{wp-gallery-remote: gallery=0; rootalbum=43326; showalbumtitle=true; showsubalbums=true; showimagesheader=true; imagefilter=include:43327,43338,43380,43410,43473;}

In Westerstede entschieden wir, daß wir eine Rast einlegen wollten. Am Markt setzten wir uns zu einem Imbiß in die Sonne, danach gönnten wir uns noch ein Eis, bevor es schließlich weiterging.

In Großefehn zeigte sich die Landschaft von ihrer schönsten Seite, die mit kleinen Gewässern durchzogenen Orte muteten fast schon holländisch an und bei uns stellte sich ein Urlaubsgefühl und Entspannung ein. Den Trubel der Großstadt hatten wir hinter uns gelassen und genossen die Ruhe, die uns umgab.

Am frühen Abend erreichten wir Ihlow und unsere Fremdenzimmer. Das ganze wirkte sehr familiär und wir fühlten uns sofort wohl. Wir verstauten die Fahrradtaschen in den Zimmern, ruhten uns kurz aus und beschlossen zum Abendessen noch einen Abstecher nach Aurich zu machen.

Auf dem Weg nach Aurich tauchte der Sonnenuntergang den Nebel, der aus den Feldern stieg, in ein pastellfarbenes Licht und ließ die landschaft fast unwirklich erscheinen. Bald war es jedoch dunkel und wir testen unsere Beleuchtungsanlagen.

In Aurich angekommen hatten wir in der Innenstadt Probleme, ein passendes Restaurant zu finden. Italienisch oder Chinesisch gab es zwar spontan zur Auswahl, wir hatten uns aber eher auf landestypische Kost festgelegt und wollten am liebsten Fisch haben. Nach einigem Suchen fanden wir in einer Seitenstraße ein Hotelrestaurant, in dem wir einkehrten. In unseren Fahrradklamotten waren wir – gelinde gesagt – auffällig gekleidet, aber die anfängliche Skepsis beim Personal wich schnell, als klar wurde, daß wir auch Radfahrer-Hunger mitgebracht hatten.

Der Rückweg nach Ihlow war ein guter Nachtflug, doch das sanft leuchtende GPS auf dem Tretausleger meiner Speedmachine wies uns zielsicher den Weg und so kamen wir ohne Umwege in unsere Betten.

GPS Track vom 26.09.2008