Es wird (etwas) flacher

Mein erster Track führte bis nach Rothenburg ob der Tauber, nur knapp 100km. Die Ankunftszeit setzte das Navi schnell auf sehr optimistisch berechnete 13 Uhr fest. Klar, denn die Ausfahrt aus Haßfurt über den Main war zunächst auch relativ flach. Bald aber setzten die Hügel und das ständige Auf und Ab wieder ein, das so auf die Kondition geht, weil man keinen Rhythmus findet.

Straße mit Radweg
Straße mit Radweg

Große Pausen gönnte ich mir indes kaum, lediglich einen Stopp am Drogeriemarkt um eine Mini-Ressource aufzufüllen. Der Zähler stieg und stieg und pendelte sich auf 14 Uhr ein, was dann auch realistisch war. Ich fuhr in Rothenburg ob der Tauber dann unter Jubel und Geknipse einer chinesischen Reisegruppe ein. Und suchte nach einem Restaurant, das einen Platz im Schatten bei gleichzeitigem Blick auf’s Rad (möglichst auch im Schatten) bieten könnte – gar nicht so einfach, am Ende fand ich aber nahe der Stadtmauer einen Italiener.

Vom Spanier, der sich mit dem Wirt auf Spanisch verständigte über den Amerikaner, der beim Wirt Entsetzen auslöste, als er nach Tabasco zur Lasagne fragte war alles für eine herrliche Kulturstudie vorhanden. Allein mir fehlt auf Radreisen der Sinn für derlei Touristentrubel. Und so verließ ich den Ort nach zwei großen Kirschschorlen, einer Pizza, einer großen Spezi, einem großen Eiskaffee und einer Johannisbeerschorle für unterwegs ohne größere Besichtigung.

Endlose Landstraße unter blauem Himmel
Einfach fahren

Das Taubertal war noch sehr hügelig, aber zunehmend wurde die Landschaft flacher und ich folgte oft Radrouten auf ruhigen Wirtschaftswegen oder expliziten Radwegen. Ich wollte eigentlich nur 20-30 Kilometer noch fahren, aber es lief am Ende so gut, das noch gut 60km folgten. Einen Zwischenstopp gönnte ich mir an einem Freibad. Echtes Dorfleben, Eintritt war über den Förderverein geregelt, die Fahrräder vor der Tür standen einfach rum, die Autofenster waren offen. Als Stadtmensch für mich nah am Unvorstellbaren.

Ich folgte dem Tauber-Jagst-Radweg, der in den Jagst-Kocher-Radweg überging und hatte richtig Spaß, aber irgendwann entschied ich mich doch für die Hotelsuche. Zum einen war ich nicht sicher, wie lange man noch spontan ein Zimmer finden würde, zum anderen musste ich ja noch zu Abend essen, waschen und mich frisch machen. In Ellwangen kam ich nach 155km und mehr als 1600 Höhenmetern unter.

Ewiges Auf und Ab

Leichter Dunst hing noch über Erfurt, als ich startete. Es dauerte etwas, bis sich das Garmin einkriegte bei der Berechnung der Route, während ich schonmal nach Gefühl losgefahren war, aber schließlich fand ich meinen Weg und mein Navi sind Contenance.

Allee in Thüringen
Allee in Thüringen

Wie so häufig ist die Ausfahrt aus Städten mit großen Straßen und Verkehr verbunden, aber an den Stellen, wo es keinen begleitenden Radweg gab, waren die Autofahrer ungewohnt fair. Das ist gerade bei den vielen Steigungen, wo man langsam voran kommt sehr wichtig. Und Steigungen gab es, bis Ilmenau waren es gerade 40km und ich hatte schon 500 Höhenmeter auf der Uhr.

Hinter Ilmenau ging es dann aber richtig zur Sache, eine lange Steigung mit mehr als 10% erwartete mich. Und in der Abfahrt auf einer engen kurvigen Straße ein Autofahrer, der es wohl eilig hatte und der hinter mir drängelte. Bis er versuchte, die erste Kurve in der gleichen Geschwindigkeit wie ich zu nehmen. Ich hörte quietschende Reifen, fliegenden Kies. Haarscharf ging es gut. Und ich verlor den Kandidaten aus dem Rückspiegel, da seine Eile offenbar schlagartig nachgelassen hatte.

Wetter voraus
Wetter voraus

Auf ruhigen Straßen fuhr ich weiter, auf dem Rennsteig Radwanderweg, der sich auf den Bergen hielt und dann runter nach Hildburghausen. Hier beschloss ich, eine Mittagspause einzulegen, bevor es auf die letzten Kilometer nach Haßfurt ging, wo ich mir eine Bleibe gesucht hatte.

Zwischendurch hörte ich hinter mir dumpfes Grollen, Gewitter bildeten sich um mich herum. Eines lag dann genau vor mir und ich näherte mich langsam. Weniger die Regentropfen, mehr die Häufigkeit an Blitzen und zunehmend kürzere Zeiten zwischen Blitz und Donner veranlassten mich, Schutz zu suchen. Eine Trauerhalle bot ihn mir. Draußen zog das Gewitter langsam durch. Drinnen bemerkte ich, dass etwas aus meiner Hecktasche tropfte. Ich hatte die Getränkeblase falsch gepackt und die Traubenschorle hatte sich in meine Tasche ergossen und die ungeschützten Dinge verklebt. Ein Problem für später.

Irgendwann ließen Blitze und Regen nach und ich fuhr weiter, die Straßen waren zunächst noch feucht, aber sie trockneten schnell. Gegen 18:30 Uhr erreichte ich dann das Hotel. Erste Aktion: Sachen waschen.

Grainau / München

Als wir am Morgen aufwachten, regnete es immer noch – und nicht zu wenig. Da eine Änderung nicht in Sicht war, war die Entscheidung gefallen: gemütlich frühstücken, dann mit der Bahn nach München.

Nasse Speedmachine
Nasse Speedmachine

In München gerieten wir in den Trubel des ersten Tags des Oktoberfests. Die Strassen waren voll, der Bahnhof voller. Noch während wir am Bahnhof über ein Getränk nachdachten meldete sich Björn, den wir vor einigen Tagen in Österreich auf dem Rad getroffen hatten und der uns eine Unterkunft in München angeboten hatte – zu Oktoberfestzeiten ist das in München nämlich nicht ganz einfach! Wir konnten direkt zu ihm fahren, die Räder abstellen und uns zivil kleiden, es regnete immer noch.

Wir unterhielten uns mit unserem Gastgeber, gingen noch einkaufen, damit wir für die morgige Zugfahrt etwas hatten, abends gingen wir noch essen. Für mehr fehlte uns bei Dauerregen, 14°C und den Massen an Menschen in der Stadt die Motivation. Dann ging es früh ins Bett, denn wir mussten am kommenden Tag den Zug um 05:38 Uhr erreichen.

Ruhetag Grainau und Zugspitze

Nach der Erfahrung mit dem Fernpass, in Anbetracht der Wettervorhersage und der Tatsache, dass wir ab Grainau nur über irgendwelche Landstraßen gondeln würden – und das auch noch am Freitag Nachmittag – erlauben wir uns einen Ruhetag mit Touri-Programm.

Micha und Olli on Top of Germany
Micha und Olli on Top of Germany

Nach dem Frühstück geht es, ohne Fahrrad, zur Zugspitzbahn. Diese Zahnradbahn bringt uns hinauf zum Zugspitzplatt, einer Geröllwüste ca. 350m unterhalb des Gipfels. Unseren Plan, den Rest des Weges zu Fuss fortzusetzen, geben wir nach einem Blick auf den steilen Aufstieg und unsere dünnen Five-Fingers Zehenschuhe lieber auf und nehmen die Seilbahn nach oben.
Das Wetter ist am Morgen wunderbar, zwar nicht klar genug für einen Blick bis nach München, aber gut genug für Sonne, weite Blicke über die Alpen und hinab ins Tal, zum Eibsee und zum Fernpass.

Nach Snack und Aufwärmen im Café fahren wir später mit der Eibseeseilbahn wieder ins Tal. Auf dem Eibsee mieten wir uns ein Tretboot, der Radfahrer schlägt eben doch immer wieder durch.

Blick von der Zugspitze
Blick von der Zugspitze

Anschliessend geht es in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Dort hält es uns aber nicht sehr lange, zu müde sind wir vom frühen Aufstehen und den Anstrengungen der letzten Tage. Bevor abends der angesagte Dauerregen einsetzt, machen wir noch eine Pause im Hotel und gehen in der Pizzeria gegenüber essen.

Für den folgenden Tag planten wir eine Zugfahrt nach München, der Fahrradteil unserer Tour endete also wohl in Grainau. Wir wollen uns die Eindrücke der schönen Tour nicht durch Regen und Strassenverkehr trüben lassen.

Imst – Grainau

Im Hotel begann man den Tag recht entspannt, will sagen, das Frühstück wurde erst noch angerichtet, als wir im Raum erschienen. Wir beschlossen, die Zeit zu nutzen und den Supermarkt zu besuchen, aber der machte auch erst später auf. Dafür war bei unserer Rückkehr das Frühstück fertig.

Römerstraße mit Wagenspuren
Römerstraße mit Wagenspuren

Los ging es dann mit einem kurzen Anstieg auf der Hauptstraße, dann bogen wir auf kleinere Wege ab und waren schließlich zurück auf dem Track. Die Auswahl auf diesem Teilstück unserer Tour heisst entweder auf der oft nicht asphaltierten Via Claudia Augusta zu fahren oder aber auf die stark befahrene Strasse auszuweichen. Wir entscheiden uns für den Waldweg mit halbwegs verfestigtem Grund aus Kies oder Schotter.
Hinter Nassereith beginnt dann der Anstieg zum Fernpass. Dass dieser im Wesentlichen aus Schotter und Kies besteht und die Strasse definitiv aufgrund des Verkehrs keine Empfehlung ist, war aus der Planungsphase klar. Die teils wirklich heftigen Anstiege auf diesem Untergrund zwangen uns dann aber zu einigen Schiebepassagen. Dafür gab es schöne Aussichten, alte Gemäuer und ein Stück alter Römerstraße mit Wagenspuren zu sehen.

Die Zugspitze
Die Zugspitze

Nach dem Pass an der Strasse geht es dann noch einmal auf Forstwegen zum Pass auf der Römerstraße hinauf, der einige Meter höher liegt. Auf der Abfahrt mit recht grobem Schotter versagte – nach einer Abkühlpause – meine hintere Bremse, weil sich der Bremsbelag vom Bremssattel gelöst hatte. Die Strategie, auf Abfahrten die Geschwindigkeit mit der hinteren Bremse zu senken, so dass die vordere (beim Liegerad effektivere und sichere) möglichst kühl zur Verfügung steht, zahlte sich aus. Ich konnte problemlos stoppen und die Bremsbeläge wechseln.

In Biberwier verliessen wir unseren geplanten Track und bogen in Richtung Grainau ab, denn wir wollten die Zeit nutzen, um noch die Zugspitze zu besuchen. Eine deutliche Verschlechterung des Wetters war für die kommenden Tage angekündigt, so dass wir etwas umplanten. Den Urlaub mit einer Fahrt im Dauerregen zu beenden war nicht unser Ziel.

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