Die Rückfahrt

Ich hatte mir sicherheitshalber den Wecker auf 7 Uhr gestellt, wachte aber schon vorher auf. Das Frühstück fiel heute etwas kleiner aus, das gute Essen vom Vortag und die Tatsache, dass ich ja nicht mehr gefahren war senkten den Kalorienbedarf.

Radstellplätze ICE-T
Radstellplätze ICE-T

Nach dem Checkout fuhr ich mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, eine Reservierung hatte ich ja, aber noch keine Fahrradkarte. Diese kaufte ich, dann holte ich mein Fahrrad aus der sicheren Aufbewahrung. Ich schob den Ausleger ein und stellte den Lenker quer, um für die Fahrt im ICE-T gerüstet zu sein und wartete am Gleis.

Da der Zug in München Hauptbahnhof startete, wurde er bereits frühzeitig bereitgestellt. Eine kurze Rücksprache mit dem Zugchef und ich durfte mein Rad ins Radabteil stellen, schließlich ist es in diesem Zustand nicht länger oder breiter als ein Standard-Aufrechtrad.

Die Fahrt selbst lief dann glatt, in Berlin angekommen musste ich lediglich Ausleger und Lenker wieder in der korrekten Position fixieren und konnte vom S-Bahnhof nach Hause fahren.

Tourende in netter Gesellschaft

Als ich am Morgen Aufstand, war es draußen nass und kalt, der Himmel grau. Wie auch vorhergesagt. Ich ließ mir das Frühstück schmecken und schaute nach dem Fahrplan der Regionalbahn ab Bad Tölz in Richtung München.

Speedmachine im Regio versteckt
Speedmachine im Regio versteckt

Der Weg zum Bahnhof war kurz und nicht kompliziert, dort zog ich mir Fahrkarten aus dem Automaten und musste noch ein wenig warten. die Fahrt im Regio war problemlos und so kam ich vormittags in München an. Da das Hotel mir nur einen Stellplatz in der Tiefgarage zugestehen wollte – und das ungewöhnlicherweise auch noch gegen die teuren PKW Gebühren – versuchte ich mein Glück und konnte mit Hilfe freundlicher Bahnkollegen eine gute Lösung finden.

Anschließend konnte ich bereits im Hotel einchecken, eine kleine Versöhnung. Ich machte mich frisch, dann ging es mit der S-Bahn raus nach Ebersberg, wo ich Jürgen und Christoph traf, beide auch aktiv mit Liegerad und Velomobil unterwegs. Nach einem netten Nachmittag im Repair Café folgten wir noch einer Einladung von Christoph zum abendlichen Essen im Familienkreis mit frischen Kartoffeln, Mais, Gurken und Pilzen aus dem Garten. Es wurde ein schöner Abend in lockerer Atmosphäre.

Der letzte Anstieg

Morgens machte ich nach dem Frühstück erstmal einen Abstecher zum Supermarkt, um Geschmack für meine Getränke zu kaufen. Das Wetter zeigte sich kalt und feucht, aber zumindest ohne Regen.

Maisfelder und dunkle Wolken am Inn
Maisfelder und dunkle Wolken am Inn

Meine spontan zusammengeroutete Strecke, um an Innsbruck letztlich vorbeizufahren, kürzte über eine nicht befestigte Strecke ab, allerdings nur vielleicht 200 Meter, vermutlich war das gar nicht so schlecht. Am Ende kam ich erfolgreich am Inn auf dem Radweg raus. Die Wolken hingen tief, verfingen sich in den Berghängen.

Am Inn entlang führte die Strecke durch Industriegebiete, Felder und neben der Autobahn entlang, war aber gut fahrbar. Einige Kilometer vor Jenbach traf ich auf einige Rennradler, die gerade mit einer Reifenpanne beschäftigt waren. Vor mir hatte ein anderer Radreisender bereits gestoppt und mit einer Standpumpe(!) ausgeholfen. Ich fragte, ob ich noch helfen konnte und wir kamen ins Gespräch. Die Rennradler wollten in die entgegengesetzte Richtung, der andere Radreisende war Massimo aus Italien und er folgte der gleichen Route wie ich.

Schiebestrecke, 12% auf Schotter
Schiebestrecke, 12% auf Schotter

Da ich keinen großen Zeitdruck verspürte, beschloss ich einige Kilometer gemeinsam mit Massimo zu fahren. In Jenbach stellte sich heraus, dass ich meine geplante Strecke nicht nehmen konnte, wegen Bauarbeiten. Die Umgehung via Wiesing erwies sich als nicht minder problematisch, da sie über weite Strecken bei erheblicher Steigung nicht asphaltiert war. Wir schoben die Räder.

Nach einer kurzen Einkehr auf dem Pass fuhren wir dann getrennt weiter, ich wollte nach Bad Tölz, mein Begleiter etwas preiswerter und näher eine Unterkunft oder Campingplatz suchen. Am Achensee war es naturbedingt flach, dann ging es in die sanfte Abfahrt.

Tunnel an der Talsperre
Tunnel an der Talsperre

Ich schaute mir die Sylvensteinsperre an, nach einem kurzen Stück Radweg war dann aber bis Lenggries Bundesstraße angesagt. Der begleitende Radweg, wenn überhaupt vorhanden verwand sich in unnötigen Steigungen und war nicht durchgehend asphaltiert.

Ab Lenggries bis Bad Tölz fuhr ich auf der anderen Isar-Seite entlang auf einer ruhigen Straße. In Bad Tölz genossbich erst die Badewanne im Hotel und ging dann in die Innenstadt. Übrigens in Regenhose, da mir bei 10°C die kurze Hose doch zu kühl war.

Einmal Allgäu, bitte

Jochen und Ramona bereiteten mir ein wunderbares Frühstück und es war schwer, sich irgendwann loszureissen. Doch irgendwann musste es ja losgehen, ich hatte ja noch etwas vor.

Blick auf Donau und Ulm
Blick auf Donau und Ulm

Jochen begleitete mich auf dem Rad noch runter bis zur Donau, ab dort konnte ich wieder meinem Track folgen. Ein kurzes Stück fuhr ich also entlang der hier (ohne Hochwasser) eher schmächtigen als mächtigen Donau, bei Donaustetten bog ich nach Süden ab. Zunächst war es noch relativ flach und ließ sich locker fahren, aber je weiter ins Allgäu ich vordrang, desto höher würden die Hügel, bis auf über 700 Meter ging es hinauf.

Aber da es zwischendurch immer wieder Gefälle gab, sammelte ich Höhenmeter am laufenden Band, bewegte mich aber letztlich nur zwischen 600 und 700 Meter über NN. Das allerdings schlaucht ziemlich. Der Himmel war blau und die Sonne schien, auf angenehme 25°C bis 27°C stiegen die Temperaturen, beim erklimmen der teils mit mehr als 10% recht ordentlichen Steigungen ist das aber ziemlich warm.

Radrouten im Allgäu sind oben für den Ausblick
Radrouten im Allgäu sind oben für den Ausblick

Auffällig ist die hohe Zahl von E-Bike Touristen, meist älteren Semesters. Vermutlich stünde dieser Gruppe ohne die elektrische Unterstützung die Erkundung des Allgäu per Rad nicht offen. Allerdings waren bis auf ein paar Rennradler auch viele jüngere elektrisch unterstützt unterwegs.

Als erstaunlich problematisch erwies sich die Essensversorung. Quasi jede Dorfgaststätte hatte entweder Betriebsferien oder öffnete erst ab 17 Uhr. Bestenfalls in Wangen hätte ich wohl eine Chance gehabt, da führte mich meine Route dann aber am Zentrum vorbei und ich hatte für mich beschlossen, dass es bei der zu erwartenden Abfahrt zum Bodensee und den wenigen Restkilometern kaum Sinn machte, dort abzubiegen. Also fuhr ich weiter.

Ich hatte erwartet, irgendwann aus der Höhe noch einen Blick über den See erhaschen zu können, doch dem war nicht so. Nach der Abfahrt kam ich in Lindau erst zu einer Baustelle, dann irgendwann nach Österreich und hatte dort die erste Chance auf einen Seeblick.

Als ich ein kleines Stück weiter in Bregenz endlich einkehrte, sah ich auf Twitter die Message eines velomobilen Followers, der in Bregenz wohnt und ein Treffen anbot, so nahm ich einheimischen Rat zur Wahl einer passenden Lokation an und wir fachsimpelten ein wenig über das Reisen mit Liegerad oder Velomobil.

Selfie am See
Selfie am See

Darüber verging die Zeit und anstatt noch wild Kilometer zu machen, suchten wir gemeinsam eine Unterkunft in der Nähe, genauer in Dornbirn. Christian zeigte mir mit seinem df vorausfahrend den Weg und ich hechelte hinterher. Aber ganz klar geht nichts über Ortskenntnis, so kam ich fix beim Hotel an und hatte zwischendurch noch einen Supermarkt aufsuchen können.

Im Hotel war dann nur noch Waschtag für mich und die Klamotten angesagt. Und natürlich den Bericht für’s Blog zu schreiben.

Ein kurzer Tag

Am Morgen kaufte ich schnell noch etwas Saft ein, um meine Getränke etwas isotonischer zu gestalten – und für den Geschmack. Im Hotel wurde mir eine Luftpumpe zur Kontrolle der Reifen angeboten, was ich auch gern tat, zumindest vorn. Meinen 9,5 Bar Hinterreifen konnte die Pumpe nicht bedienen.

Im Ebersburger Tal
Im Ebersburger Tal

Auf dem Jagst-Kocher-Radweg fuhr ich dann eher flach weiter. Das Wetter war heute angenehm kühler als in den letzten Tagen, der Himmel war zeitweise bedeckt, was meiner Haut etwas Gelegenheit zur Entspannung bot. Und so vergingen die ersten 25km der heutigen kurzen Etappe von nur etwa 100km wie im Flug, auch wenn ich mich nach den Anstrengungen der letzten Tage etwas schwer tat, auf Tempo zu kommen.

Überraschend war für mich die Landschaft an der Brenz im Eselsburger Tal, das mit einigen steinigen Felsformationen aufwartete. Und in Eselsburg auch mit einem ordentlichen Anstieg. Das Lontal war landschaftlich nochmals anders. Von hier ging es dann nach kurzem Anstieg hinab ins Donautal bei Günzburg.

Ulmer Münster (innen)
Ulmer Münster

Die ganze Zeit fuhr ich entlang einer Regenfront, blieb aber trocken. Bei der Abfahrt zur Donau sah ich vor mir dir Regenfelder und stellte mich darauf ein, heute noch nass zu werden. Doch der Regen zog sich zurück und ich blieb verschont.

Bis Neu-Ulm fuhr ich auf der Straße oder dem begleitenden Radweg, da der Donauradweg hier leider nich durchgehend asphaltiert ist. Dort angekommen kam ich privat unter. Da es erst gegen 14 Uhr war blieb mir nich Zeit, mit meinem Gastgeber Ulm zu besuchen und neben Sightseeing den deutschen Teil meiner Rückfahrt sicherzustellen.

Nach einem netten Abendessen und guten Gesprächen fiel ich dann müde ins Bett.