Cote d’Azur – Saint-Clair

Einen zweiten kleinen Trainingsausflug erlaubte ich mir am Mittwoch. Etwas flacher als die Bergtour vom Dienstag sollte es werden, also beschloss ich ohne Routenplanung dem Radweg in Richtung Osten zu folgen.

Küstenradweg auf alter Straße
Küstenradweg auf alter Straße

Da ich erst am Nachmittag los kam, war der Plan, eine etwas schnellere Runde zu drehen. Bis nach Saint-Tropez konnte ich aufgrund der Entfernung also nicht fahren, ich wollte einfach nach ca 30km umdrehen.

Der Weg führt zunächst an der Küste neben der Straße entlang, später neben einer autobahnähnlichen Strecke. Schliesslich geht es auf eine alte Bahntrasse, auf der es dann wieder näher an die Küstenorte geht. Mein Ziel setzte ich auf Saint-Clair.

Dort angekommen bog ich in Richtung Le Lavandou und Hafen ab, wo ich Galette und Eis verspeiste, dann ging es auf dem gleichen Weg wieder zurück. Die Fahrt auf dem Radweg ist sehr angenehm, ganz ohne Steigungen ging es auch diesmal nicht vonstatten, aber weder war es steil, noch ging es auf mehr als hundert Meter hinauf.

In der Unterkunft angekommen lockerte ich mich mit einem Bad im kühlen Pool auf.

Cote d’Azur – Mont Coudon

Neben einiger Erkundung der Umgebung sollte meine Woche in Südfrankreich auch ein wenig dem Training dienen. Und so hatte ich mir den höchsten Berg der näheren Umgebung (mit Straße) herausgesucht, den Mont Coudon mit ungefähr 700m Höhe und einer Festung oben drauf.

Route Cyclable Hyères-Toulon
Route Cyclable Hyères-Toulon

Los ging es von der Unterkunft zunächst über die Route du Sel, die Salzroute, westlich der alten Salinen von Hyères. Nach wenigen Kilometern zwischen Salzbecken und Strand kam ich zur Küstenstraße, die über weite Teile mit Radspur bzw. sogar echtem Radweg ausgestattet war. Ab Le Pradet gibt es einen Bahnradweg, dem ich noch einige Kilometer folgte.

Meine Route durch die Stadt hatte ich am Handy nicht ordentlich geplant und so verzettelte ich mich ein wenig, kam aber letztlich auf der D46 an. Ab hier ging es dann zunächst leicht aufwärts. Nach der Abbiegung auf die D446 wurde die Steigung schon steiler, dank Seitenspur konnte ich dem Baustellenverkehr aber halbwegs entkommen, nach kurzem bog dann aber auch die Route du Fort de Coudon ab. Einspurig, schmal, aber derweil Sackgasse am Militärgelände auch de facto ohne Verkehr.

Blick über die Cote d‘Azur
Blick über die Cote d‘Azur

Nun ging es auf die letzten Kilometer und fast 500 Höhenmeter mit Steigungen zwischen 8% und 12%. In den wenigen Spitzkehren gab es Möglichkeiten für kurze Pausen und Blicke in Richtung Hinterland oder Meer.

Ich hatte erwartet, bis zum Fort, das immernoch militärisch genutzt wird, auf ca 700 Meter Höhe fahren zu können, allerdings kam bei 650m Höhe ein Schild, das die Weiterfahrt verbot – Militärischer Bereich. Und gleich daneben stand auch ein Zivilfahrzeug mit einer Wache. Also hieß es umdrehen. Aufgrund der engen Straße mit nicht allzu gutem Belag und schlechter Übersicht war die Abfahrt eher ein Test für meine Bremsen, als wirklich schnell.

Auf den Departementsstraßen ging es dafür schnell bis in den Ort, wo ich eine kurze Bäckerpause machte. Auf dem Rückweg fand ich auch besser zum Radweg zurück, dann folgte ich der gleichen Route wie auf dem Hinweg.

Mit nur knappen 70km, aber gut 900hm kam ich nach einer kleinen Trainingsrunde wieder in der Unterkunft an.

Lissabon – Berlin (Bahnfahrt)

Die Rückreise hatte ich nicht geplant, denn ich war nicht sicher, wie weit ich wirklich kommen würde und wann ich dann in Lissabon sein würde. Als ich Dienstag Abend ankam und damit einige Zeit hatte, kam ich doch nochmals auf die – eigentlich verworfene – Idee zurück, die Rückreise mit der Bahn anzutreten.

Erste Hürde: die offizielle Variante der Radbeförderung im Nachtzug Lissabon-Hendaye ist, dass man ein Zweierabteil allein belegt und das Rad mit ins Abteil nimmt. Die Zahl der Abteile ist begrenzt, ich Donnerstag oder Mittwoch war nichts mehr zu haben, so blieb mir Dienstag oder Freitag. Ankommen und gleich in den Zug und das Cabo da Roca auslassen war keine Alternative, also Freitag. Und damit ein knackiger Fahrplan.

Nachtzug Lissabon-Hendaye

Freitag gegen halb zehn abends ging es los, der Zug ist dann um etwa halb zwölf mittags am nächsten Tag in Hendaye. Rad fährt im Schlafwagenabteil mit. Mit einem Aufrechtrad eng, mit dem Liegerad hat es was von Tetris.

Fahrrad im Nachtzugabteil

Fahrrad im Nachtzugabteil

TGV Hendaye-Paris

Nach circa eineinhalb Stunden Aufenthalt in Hendaye geht es mit dem Duplex (Doppelstock) TGV weiter nach Paris. Für Fahrräder gibt es ein begrenztes Platzkontingent, das auch gern im sonst platzarmen Zug von Mitreisenden für ihr Gepäck genutzt wird. Ein früher Einstieg empfiehlt sich, da die Fahrt von Start- bis Endbahnhof geht ist es aber machbar. Reservierung ist Pflicht. Die Fahrt endet kurz nach 18 Uhr in Paris Montparnasse, es folgt ein Bahnhofswechsel.

Fahrrad im Duplex-TGV

Fahrrad im Duplex-TGV

TGV Paris-Lille

Mit dem älteren einstöckigen TGV geht es weiter nach Lille. Im früheren bekam ich keinen Radplatz mehr, also nahm ich den um kurz vor 21 Uhr, der kurz nach 22 Uhr in Lille Flandres ankommt. Das Rad steht im Radabteil an der Spitze des Zuges relativ bequem. Eigentlich Hängeplätze, diese sind aber für Liegeräder zu kurz. Das Abteil war sonst leer, daher konnte es seitlich am Gepäckregal stehen. Reservierung wie in allen TGV obligatorisch.

Fahrrad im einstöckigen TGV

Fahrrad im einstöckigen TGV

Übernachtung Lille

Mit dem früheren Zug wäre eine Weiterfahrt nach Antwerpen noch möglich gewesen, zu meiner Ankunftszeit nicht bzw. nur bedingt sinnvoll, auch weil sich Müdigkeit breit machte. Ich nahm ein Hotel in Lille.

TER/IC Lille-Antwerpen

Mit dem TER, der in Belgien zum IC wird, geht es um kurz nach neun am Sonntag morgen weiter von Lille Flandres nach Antwerpen Centraal. Das Fahrrad fährt in einem extra Gepäckabteil, das vom Personal geöffnet (und verschlossen) wird. Eine Reservierung ist nicht notwendig bzw. möglich, viel Platz für Räder ist aber nicht. Ankunft in Antwerpen ist um kurz vor halb zwölf.

Fahrrad im belgischen TER/IC (

Fahrrad im belgischen TER/IC („Gumminase“)

IC Antwerpen-Amsterdam

Im niederländischen IC geht es nach ca. 20 Minuten Aufenthalt weiter nach Amsterdam. Es gibt ein Radabteil mit breiten Türen an der Spitze des Zuges, eine Reservierung ist nicht möglich oder nötig. Der Zug erreicht Amsterdam Centraal um kurz nach halb zwei.

Fahrrad im niederländischen IC
Fahrrad im niederländischen IC

IC Amsterdam-Berlin

Im deutschen IC fahre ich um 15 Uhr weiter nach Berlin. Eine Reservierung ist obligatorisch, der Zug ist mit einem großen Radabteil ausgestattet, das teilweise Hängeplätze bietet. Ankunft in Berlin Hauptbahnhof ist kurz vor 22 Uhr.

Fahrrad im IC der Deutschen Bahn
Fahrrad im IC der Deutschen Bahn

Dax – Hendaye

Der Vorteil einer großen Hotelkette ist, dass es meist ein recht ergiebiges Frühstücksbuffet gibt – selbst in Frankreich. Zeit lassen konnte ich mir auch, denn für heute stand eine relativ kurze und vom Profil harmlose Etappe auf dem Programm.

L'Adour und im Hintergrund die Pyrenäen
L’Adour und im Hintergrund die Pyrenäen

Von Dax fahre ich auf teilweise belebten Landstrassen südwestlich, bis ich bei Port der Lanne auf die Adour treffe. Schon 10km hinter Dax habe ich von einigen Hügeln aus die Ausläufer der Pyrenäen vor Augen, die sich südlich von mir am Horizont ausbreiten.

Dem Fluss folge ich auf teils sehr ruhigen Wegen, je näher ich Bayonne komme, desto stärker wird auch der Verkehr und umso größer die Straßen. Allerdings beginnt auch bald ein Radweg, so dass die Einfahrt nach Bayonne stressfrei verläuft.

In Bayonne selbst fotografiere ich nur den Bahnhof, ein Besuch beim Radladen, um einen Ersatzschlauch für den kaputten zu besorgen fällt wegen allgemeiner Mittagspause allerdings aus. Dafür treffe ich zwei amerikanische Radtouristen, die auch auf dem Weg in Richtung Lissabon sind, sie wollen allerdings dem Jacobsweg folgen und dann an der portugiesischen Küste entlang. Sie fragen mich, wie ich fahre. Ich sage ihnen: quer durch. Mit Bergen. Ich nehme nicht die flat Route – ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob sie sich im Klaren sind, dass es da keine flache Route gibt.

Biarritz an der Rocher de la Vierge
Biarritz an der Rocher de la Vierge

Mich zieht es weiter nach Biarritz. Hier erreiche ich den Atlantik, hier stehe ich am gleichen Punkt wie vor vier Jahren. Ein Glücksgefühl überkommt mich. Ich esse gemütlich zu Mittag, dann geht es mit dem obligatorischen Foto an der Rocher de la Vierge weiter.

An der hügeligen Küste fahre ich noch bis Hendaye, der französischen Grenzstadt. Dahinter kommen die Berge, vor allem aber möchte ich den kurzen Tag mit einem Bad im Atlantik krönen. So beziehe ich schnell das Hotel und laufe ohne Wertsachen zum Strand. Das Wasser ist kühl, aber sobald man drin ist, fühlt es sich gut an. Die Wellen sind schön, gross genug, um sich von ihnen zurück zum Strand spülen zu lassen.

Sonnenuntergang in Hendaye
Sonnenuntergang in Hendaye

Nach den üblichen Beschäftigungen im Hotel – Wäsche waschen, Trinkgefäße säubern, duschen – mache ich noch einen Rundgang und schaue mir dann beim Abendessen den Sonnenuntergang über den Bergen an, das Meer färbt sich wunderschön.

Ich bin an einem Entscheidungspunkt angelangt. Also rechne ich die nächsten Kilometer zusammen, die verbleibende Zeit und schaue, wo ich stehe. Es geht weiter. Auch wenn jetzt vermutlich der härteste Teil der Tour vor mir liegt.

Agen – Dax

Meine Unterkunft bot kein Frühstück, daher machte ich mich nach dem Aufwachen fertig und sattelte das Rad, um in die Nähe Innenstadt von Agen zu fahren. Am vorigem Abend hatte ich nur noch einen Asia Imbiss aufgetrieben, das war definitiv zu wenig. Ich fand einen Bäcker, der mir nicht nur süße Croissants verkaufte, sondern auch ein Sandwich mit Schinken.

Am Kanal der zwei Meere
Am Kanal der zwei Meere

Im Anschluss suchte ich mir den kürzesten Weg zum Kanal und bog auf den dortigen Kanalradweg ein. Das Gelände war flach, der Bodenbelag halbwegs brauchbar, dennoch hatte ich das Gefühl, nur schwer voran zu kommen. Bis Feugarolles folgte ich dem Kanal, dann ging es zunächst auf eine durchaus befahrene Strasse, die erst hinter dem Ort wieder ruhiger wurde.

Die Landschaft würde auch wieder hügeliger, der Morgen war kühl. Bei Kilometer 50 wollte ich zum Essen einkehren, doch in Sos fand ich kein offenes Restaurant, der Montag fühlt sich hier teils geschlossener an als der Sonntag. Hinter Sos modifizierte ich spontan meine Route und blieb auf der Straße, die ruhiger als erwartet war. Bei Gabbaret vereinigte sich der Weg wieder mit dem geplanten Track und dort, am Ortsausgang fand sich auch ein gutes Restaurant.

Plötzlich Kühe auf der Fahrbahn
Plötzlich Kühe auf der Fahrbahn

Ich liess mir beim Menu du Jour Zeit, vier Gänge gab es. Das war gut, denn nach Essen und Pause ging es doch viel besser weiter. Bis Mont-de-Marsan fuhr ich auf sehr ruhigen Straßen, ab Mont-de-Marsan führte der Weg größtenteils neben der (Semi-)Autobahn entlang. Zum Glück gab es eine gute Ausschilderung, denn der geplante Track und die offenbar mittlerweile geänderte Realität passten nicht immer perfekt zueinander.

Wenige Kilometer vor Dax stoppte ich kurz, um eine Unterkunft zu buchen. Nach knapp 180km und 1500hm kam ich für französische Verhältnisse spät im Hotel an. Rechtzeitig genug aber für ein Essen und einen anschließenden Spaziergang.