Frankreich 2014: Luxemburg – Trier

Trotz der langen Pausen, die der Zug nachts auf Abstellgleisen macht, hatte er es nicht geschafft, die 20 Minuten Verspätung aufzuholen, sondern hatte eine gute Stunde Verspätung.

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Da das Personal sich nicht genötigt sah, mehr als die nächsten Stationen durchzusagen und sonst abgetaucht war, standen viele Leute aussteigebereit viel zu früh im Gang. Vom Gerumpel der Taschen und den Gesprächen der Leuten wurde ich lange vor dem Wecker wach und hatte noch mehr als zwei Stunden Zeit bis zum Aussteigen.
In Luxemburg wollte ich einfach nur raus und weg. Micha wartete in Trier auf mich, er holte mich ab, um die gemeinsam gebuchte Rückreise mit Radreservierung nicht verfallen zu lassen. Er hatte mir einen Track nach Trier fertig gemacht, den ich aufs GPS geladen hatte und so konnte ich einfach losfahren. Luxemburg machte einen netten – aber in den Innenstadt auch vollen – Eindruck, doch ich hatte irgendwie kein Auge dafür und sah zu, daß ich so schnell wie möglich aus der Statd heraus kam.
Durch Luxemburg ging es durch eine hügelige Landschaft auf kleinen Wegen und Straßen bis Wasserbillig, wo ich die Grenze nach Deutschland passierte und an die Mosel kam. Ab dort ging es dann auf dem schön ausgebauten Flussradweg nach Trier. Micha erwartete mich dort an einer Brücke, allerdings zu Fuss. Wir gingen gemeinsam erstmal in die Innenstadt, wo wir assen und tranken, dann fuhr ich zum Hotel, während Micha lief. Als ich gerade eingecheckt hatte und das Fahrrad verstaute, kam er auch schon angelaufen.
Nachdem ich mich geduscht und umgezogen hatte, machten wir einen kleinen Spaziergang mit Blick über das Tal und einer Portion Kuchen, abschließend noch zum Supermarkt und dann zurück zum Hotel. Wir schauten die Bilder der Fahrt an und quatschten noch eine Weile, dann gingen wir auf die Zimmer und schliefen.

Mai ’13: Mettlach – St. Vith

Wir wachen früh auf und nutzen die Chance auf ein Frühstück gleich um acht Uhr früh, die gepackten Taschen haben wir aus dem Zimmer gleich mitgenommen. Draußen wird es allerdings immer grauer und fängt schließlich an zu regnen. Nach dem hervorragenden Frühstück mit frischem Obst und auch sonst guter Auswahl bieten wir den anderen Gästen, zumeist auch Radtouristen, vor dem Fenster des Frühstücksraumes ein nettes Schauspiel, als wir uns in die Regenklamotten zwängen. Um kurz nach neun Uhr schließlich geht es los. Wir wissen, daß der Regen langsam nördlich zieht und wir – falls wir gut vorankommen – eine gewisse Chance haben, ihm zu entfliehen.

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Nach der Querung der Saarbrücke biegen wir auf einen Radweg mit nassem rotem Sandstein und ziemlichen Steigungen ein. Die Räder sind dreckig, die Bremsen kratzen – aber die Alternative wäre die befahrene Bundesstraße auf der anderen Seite der Saar. Bei Taben-Rodt geht es zurück auf diee östliche Saarseite, an der Bundesstraße läuft hier ein Radweg: linksseitig, nur durch einen schmalen Strich und Straßenbegrenzungspfähle von der Straße getrennt, auf der beständig PKW und LKW langdonnern und ihre Gischt über uns verteilen. Wir sind froh, als der Radweg endlich abgesetzt am Ufer der Saar verläuft, auch wenn man im Tal dem Lärm von Verkehr und Industrie nur schwerlich entkommt über weite Strecken.
Unter einer Brücke bei Saarburg mache ich dann eine Umziehpause, der Regen hat so nachgelassen, daß man unter den Regenklamotten nasser wird als ohne. Auf zum Glück eher ruhigen Wegen geht es dann weiter bis Konz, wo wir die Saar zweimal auf Brücken queren und ein kleines Stück an der Mosel weiterfahren, bevor wir an die Sauer abbiegen. In Langsur kehren wir schon um 11:30 Uhr zum Mittagessen bei einem Italiener ein. Anschließend wechseln wir auf die Luxemburgische Seite, wo der Radweg sehr viel schöner als auf der deutschen Seite ist.

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Kaum sind wir wieder zurück in Deutschland, bemühte sich der Radroutenplaner, die Radfahrer so gut wie möglich von der – eigentlich recht ruhigen – Landstraße fernzuhalten. Das klingt auf den ersten Blick in Ordnung, allerdings führt es in einem engen Tal dazu, daß man ständig zwischen 20 und 40 Höhenmetern mit Steigungen bis zu zehn Prozent zu bewältigen hat. Die ständigen Lastwechsel ermüden, zmal man auf den kurvigen Wegen die Abfahrten kaum sinnvoll nutzen kann. Wie der durchschnittliche Flußradweg-Tourist solche Wege bewältigen soll, wenn es uns schon an die Grenzen bringt, ist uns nicht klar. Bei einer Kuchenpause in Mettendorf erzählt uns die Verkäuferin ungefragt, daß die viele Radtouristen von dieser Routenführung zutiefst genervt und abgeschreckt sind. Sie empfiehlt uns auch, bis Neuerburg auf der Landstraße zu bleiben. Wir beherzigen den Rat und kommen so relativ gut nach Neuerburg durch.

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Ab Neuerburg setzt zwar wieder Regen ein, allerdings entschädigt uns ein perfekt ausgebauter Bahnradweg für die Strapazen. Mit sanften 1,5% geht es über viele Kilometer bergan. Ab Dreis jedoch folgt mit dem gleichen Gefälle eine gut 20-minütige Abfahrt bei durchgehend 35km/h auf dem Tacho. Als wir eine scharfe Abbiegung auf dem GPS sehen, denken wir schon: schade, das war’s. Aber der Weg zweigt einfach auf den nächsten Bahnradweg ab! Wieder bewältigen wir einen dieser Bahnweg-typischen sanften Anstiege – leider ist zwischendurch ein Tunnel gesperrt, so daß wir mit einer kurzen aber knackigen 12%-Steigung über eine schlect ausgeschilderte Umleitung über den sonst durchquerten Berg müssen. Schließlich werden wir aber nochmal mit einer guten Viertelstunde Abfahrt belohnt.
Ab ca. 10km vor St. Vith fahren wir dann größtenteils auf Landstraßen. Es ist sehr hügelig und zehrt nocheinmal an unseren Kräften, bevor wir in der Jugendherberge von St. Vith einkehren. Im Ort suchen wir uns noch ein Restaurant – und entscheiden uns für den vermutlich langsamsten Chinesen der Welt.
1200 Höhenmeter auf 145km Strecke liegen hinter uns – und wir ziemlich müde in den Betten.